Vodka hat Geschmack

„Vodka hat keinen Geschmack!“, das ist eine Aussage die wir selbst schon getroffen oder tausende Male von Freunden und Bekannten gehört haben. Auch gerne gehört ist die Aussage „Um Gottes Willen Vodka, ich will den morgigen Tag noch erleben“.

Alles lustige Sätze die so falsch sind wie der Jahrmarkt im Himmel. Vodka hat durchaus Geschmack und Vodka hat nicht mehr oder weniger Volumenprozente als andere Spirituosen oder Kräuter-Liköre, welche ebenfalls gerne pur als Shot getrunken werden.

Vodka gehört zu den ältesten Spirituosen und kann herkunftsmäßig nicht genau bestimmt werden. Die Diskussion ob Polen oder Russland den Wodka erfunden haben werde ich auf keinen Fall anzetteln. Die Schreibweise Wodka stammt aus der russischen/polnischen Schreibweise, Vodka hat die westliche Welt kreiert. Ich verwende bei historischen Themen die historische, bei gegenwärtigen Themen die westliche Schreibweise, so bleibt es frisch und die Themen werden dadurch unterstrichen.

Die Fakten sehen so aus:

  • Die Wikinger zogen ab dem 9. Jahrundert über Russland bis ans Schwarze Meer und brachten Met mit, womit die Bevölkerung in Kontakt kam
  • Nach und nach wurden Alternativen gefunden- Kwas entstand
  • Kwas ist vergorenes Roggenbrot, früher mit Honig gesüßt, heute werden Zucker und Hefe zugesetzt
  • Russland war reich an Roggen und der Russe mochte diese Art von Alkohol
  • im 15. Jahrhundert wurden Alambique Destillierapparate publik und die Welt destillierte alles, was Alkohol enthalten könnte, so auch die Russen den Wodka [Wässerchen]
  • Zaren wurden auf die politischen Auswirkung des Alkoholkonsums aufmerksam
  • In den kommen Jahrhunderten wurde ahnand der Alkohlobesteuerung und der Selbstbrennrechte Politik gemacht, Steuern eingetrieben und regiert
  • Gerade vor Kriegen durften die Menschen wieder selbst Alkohol herstellen und folgten glücklich ihrem Zaren
  • Wodka, dessen Besteuerung und staatliche Kontrolle sind bis heute Bestandteil der Inlandspolitik Russlands

Polen war im Mittelalter eine Großmacht, die sich bis ans russische Reich erstreckte und ist es nicht unwahrscheinlich dass sich die Methode der Getreideweinherstellung gegründet nicht nur auf Russland begrenzte. Erste Eintragungen der Spirituose Namens Wodka gehen in Polen auf das frühe 15. Jahrhundert zurück. Die Polen haben aber auch jahrhunderte lang Wodka als Rasierwasser verwendet, bis sie festgestellt haben, dass es besser sei es zu trinken. Etwas salopp aber das Prinzip wird deutlich.

Es kann natürlich sein, dass auch vor dem 15. Jahrhundert Vodka in Russland hergestellt wurde, das Prinzip der Destillation war nicht neu, es wurde nur mehr verbreitet. Auch andere weltweit bekannte und bedeutende Spirituosen stammen aus dieser Zeit, wie Cachaca, Rum und Gin.

Dies zur Einführung aber was ist mit dem Geschmack?

Ausgehend von den Zutaten die für Vodka verwendet werden haben wir grundsätzlich 4 Zutaten: Roggen, Weizen, Gerste und Kartoffeln. Es gibt Hersteller die auch gerne die Zuckerrübe als Zutat verwenden, da die Reste aus der zuckerherstellung billig im Einkauf sind, was und hier erstmal nicht interessiert.

Betrachten wir die Ausgangsprodukte und beziehen es auf etwas bekanntes, dem Brot:

  • Roggen: kräftiger Geschmack, Roggenbrot ist dunkel und aromatisch
  • Weizen: Weizenbrot ist das meistverkaufte Brot der westlichen Welt, Weizen schmeckt der Masse
  • Gerste: Gerste ist ein mildes Getreide, aus dem auch milde Aromen ins Brot hineinkommen.
  • Kartoffel: Voller Stärke, Kartoffel schon einmal roh gegessen? Gekocht haben sie einen leichten Eigengeschmack, der sich aber gut überdecken lässt.

Trinktemperatur

Und so ist es auch mit dem Vodka. Ganz wichtig ist auch, dass der Vodka zimmertemperiert getrunken wird, da kaltes nur wenig Aromen abgibt. Ich erinnere nur allzu gerne an die gefrorene Rehkeule. Holt man sie aus dem Gefrierfach und leckt dran, schmeckt es auch nach nichts.

So gut die Destillationsanlage auch ist, Aromen bleiben während der Destillation nicht auf der Strecke und ergeben eben dann den entsprechenden Vodka. Natürlich gibt es heutzutage, gerade bei den großen Produzenten Kollonnenanlagen in denen destilliert wird. Gerne auch zwei oder drei Mal, nur nicht 200 Mal wie es einige Etiketten versprechen. Genauso wie die Filterung mit Diamanten…….Werbetechnisch nicht falsch, praktisch werden Filter eingesetzt, die mit Diamantenstaub aus der Diamentenherstellung versehen sind. Theoretisch klingt es super, praktisch sollte sich jeder seine Meinung bilden.

Milchreinigung ist auch so eine Sache. Der Vodka wird zusammen mit Milch gekocht oder solange zu Sahne geschlagen bis der Vodka unten raus kommt? Alles Käse……….dies geschieht mit Industrieeiweiß, da Eiweiß und Alkohol keine Freunde sind und Eiweiß flockt, also hart wird. Dadurch werden Schwebestoffe im Vodka gebunden und können ausgesiebt werden. Einfaches Prinzip, aber coole Sache.

Der morgige Tag und die Prozente:

Wer gerne einen weltbekannten Kräuterlikör trinkt der 35% vol Alkohol und Zucker enthält, der kann auch einen Vodka trinken der 40 % vol Alkohol enthält. Denn schon der russische Zar Alexander III beauftrage den russischen Chemiker Mendelejew mit der sog. Wodkaformel, um staatliche Rugulierungen definieren zu können. Darin enthalten waren Volumenprozent, chemische Formeln, Zutaten und Herstellungsverfahren, wie z.B. die Kernthese, dass Vodka mit 40% vol den besten Geschmack abgibt. Diese Information stammt direkt aus dem Wodkamuseum in St. Petersburg. Dort wurde Originale der Wodkaformel ausgestellt und natürlich wurde es uns auch vor Ort erzählt.

Nach diesen Erkenntnissen erscheint es logisch, lieber einen Vodka pur zu trinken, als einen gezuckerten Likör aus einem Durchlaufkühler 😉 Den passenden V(W)odka gibt es hier.

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